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NEWS aus Canterbury
Austausch mit Canterbury 2010
Canterbury, Christ Church University:
Bericht von Claudia Kiener und Angela Lang
30.05.2010 – 06.06.2010
Schon die Ankunft in Canterbury war mit einiger Aufregung verbunden. Meist startete das Abenteuer schon im Flieger. Diese waren aufgrund von Streiks verspätet, Bushaltestellen konnten nicht auf Anhieb gefunden werden, oder Angestellte der Bahn waren leider etwas unflexibel und ließen Tickets aufgrund der Zeitüberschreitung verfallen.
Als Vicky Schulze uns jedoch an der Bus Station in Empfang nahm, waren alle Sorgen vergessen. Wir waren angekommen. Leider noch nicht ganz vollständig, da Catherine wegen familiärer Gründe erst am Mittwoch kommen sollte, aber heil und gesund.
Am Montag war Bank Holiday und wir konnten „smoothly“ in die Woche starten. Manche nutzten die Zeit und gingen shoppen; andere erkundeten Canterbury und bestaunten die kleinen niedlichen Häuser, die einen so sehr an Harry Potter erinnern. Auch abends nach dem Essen (welches, das sei hier erwähnt, lecker selbst gekocht wurde) fand in der Stadt ein kleines Foto - Shooting statt.
Die erste Woche begann „eulenfreundlich“ immer erst um 10 Uhr. Das ermöglichte den zwei Gruppen, den Freudenstädtlern und den Offenburgern, sich in den Abendstunden immer besser kennen zu lernen. Wir sind eine sehr spezielle und lustige WG, denn in unserem Haus wohnen nicht nur 15 weibliche LA’s, sondern auch ein großer farbiger Boxer aus London, der vorübergehend in Canterbury trainiert und unsere Gruppe mit seiner humorvollen Art bereichert.
Am Dienstag wurde uns der Ablauf der vier Wochen vorgestellt. Wir sollten die Chance nutzen, uns näher mit dem Common Reference of Framework zu beschäftigen und Vicky führte uns über den Campus, wo es neben dem besten Kaffee auch eine recht preiswerte Cafeteria gibt. Am Nachmittag bekamen wir eine sehr hilfreiche und nützliche Einführung in „Numeracy“ – so wird in England Mathematik genannt. Es wurden Beispiele für kleine „Starters“, mathematische Spiele und Lieder, gezeigt und als sehr bereichernd empfunden. Außerdem bekamen wir ein Computer log - in das uns ermöglichen sollte, auch in unserem Wohnheim Internet empfangen zu können. Da das Internet dort bislang noch nicht in Betrieb genommen werden konnte, weichen wir bis auf weiteres in die modern eingerichtete Bibliothek mit Wohlfühlcharakter aus. Sie bietet uns alle erdenklichen Möglichkeiten Unterricht vorzubereiten, sowie mit Freunden und Verwandten in Verbindung zu bleiben.
Der Mittwoch begann mit sehr interessanten Informationen über den Lehramtsstudiengang der „Year 3 students“. Wir bekamen Einblicke in das Ausbildungssystem der Lehramtsstudenten im letzten Ausbildungsjahr und fühlten uns sogleich in den Stress hineinversetzt den diese Lehramtsstudenten wohl noch vor sich haben.
Auch wir waren an diesem Tag an der Reihe, Einblicke in unser Bildungssystem zu gewähren. Wir haben in Gruppen verschiedenen Pädagogikkursen eine kurze Präsentation über das deutsche Schulsystem gehalten. Die englischen Lehramtsstudenten hörten interessiert zu und beteiligten sich rege an anschließenden Diskussionen.
Am Nachmittag haben wir eine Führung durch die Canterbury Cathedral genossen. Der Guide war ein älterer Gentleman der uns mit seinem englischen Charme durch das altehrwürdige Gotteshaus geführt hat und uns für die englische Geschichte begeistern konnte.
Am Donnerstag wurden wir durch einen Vortrag von Vicky Schulze über das englische Bildungssystem auf unser bevorstehendes Praktikum vorbereitet. Nachmittags bekamen wir eine Führung durch die neu eröffnete und mit allem, was das Herz begehrt, ausgestatteten Bibliothek. Neben beweglichen Bücherregalen kann am interaktiven Whiteboard Unterricht ausprobiert oder in gemütlichen Sesseln mit ausleihbaren Mininotebooks recherchiert werden. Wenn es das Wetter erlaubt, kann man auf der geräumigen Sonnenterasse seinen Kaffee genießen.
Die Besichtigung des Dover - Castle war das Highlight der Woche. Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir nach der Besichtigung eine lange Wanderung zu den „White cliffs of Dover“ unternehmen und das Meer und den Blick auf Frankreich in vollen Zügen genossen.
Die Wochenenden wurden von den LA’s schon zu Beginn der Woche geplant und unterschiedlich gestaltet.
Auf dem Plan standen eine Tour nach London, Brighton und einen Strandbesuch im nahegelegenen Fischerdörfchen Whitstable.
Jetzt freuen wir uns natürlich riesig auf das bevorstehende Praktikum und sind schon ganz gespannt.
2. Woche, Bericht 1
von Miriam Becker
Erste Eindrücke
Montag, Woche 2 in Canterbury. Erster Tag an der Schule.
Schon die vorige Woche habe wir voller Vorfreude und auch einer Prise Aufregung auf den ersten Tag unseres school placement gewartet und waren gespannt darauf, was uns erwarten würde.
Also versammelten wir uns alle 15, schick angezogen und noch ein wenig verschlafen vor unserem Haus, wo zwei Kleinbusse darauf warteten uns nach und nach in zweier Teams an den verschiedenen primary schools in der Umgebung abzusetzen.
Ca. eine Stunde vor Unterrichtsbeginn haben wir, Claudia, Tanja und ich, die Hawkinge Primary School erreicht. Wir wurden sowohl von dem headmaster, dem deputy head als auch unseren Mentoren sehr herzlich aufgenommen.
Noch vor Schulbeginn haben uns zwei Mädchen aus der sechsten Klasse eine Schulführung gegeben. Die knapp 300 Schüler haben ein recht großes Gelände zur Verfügung mit vielen verschiedenen Spielplätzen und Grünflächen.
Was natürlich sofort ins Auge sticht, ist wie wichtig die identity der Schule ist. Schulemblem, Schuluniform, Schullogos, alles allzeit präsent.
Unterrichtsbeginn war, wie jeden Tag, um 8:45 (wie schön- verglichen zu Deutschland) im Klassenzimmer. Nach einer kleinen thinking skill und der Überprüfung der Anwesenheit stellten die Kinder sich auf für die assembly – die Schulversammlung. Diese ist vom Gesetzgeber vorgegeben und stellte für mich etwas komplett Neues dar.
Alle Kinder versammelten sich in der Halle wo sie die Schulleitung begrüßte, anschließend ein Pfarrer eine Ansprache hielt, Ankündigungen gemacht und gesungen wurde. Was mich äußerst erstaunte war, wie ruhig dies alles von statten ging. Die Kinder kamen sortiert nach Alter in Reihen in die Turnhalle gelaufen und setzten sich in einer nach dem anderen auf den Boden Diese ganze Prozedur ähnelte fast schon einer Choreographie.
Dort saßen nun also 300 Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren und waren mucksmäuschenstill. Doch allerdings konnten wir auch erleben, was mit den Kindern geschah, die eben nicht mucksmäuschenstill waren. Öffentlich vorgeführt wurden diese an allen vorbei direkt in das Büro der Schulleitung zitiert.
Für mich war dies bisher der herausragendste Unterschied zu unserem Schulalltag - eben dieser Umgang mit Disziplin, Ruhe und Ordnung.
Für mich konnte ich bisher sehr viele Anregungen in Bezug auf positive Verstärkung mitnehmen, war oftmals aber auch überrascht über die Art und Weise mit welcher Kinder bestraft werden und ein oftmals sehr harter Ton, der angeschlagen wurde.
Sehr beeindruckt war ich davon, wie viel selbstverständlicher hier das fächerübergreifende Lernen umgesetzt wird. Die ganze Jahrgangsstufe 5/6 beschäftigt sich momentan mit dem Thema Africa. Dies wird konsequent in allen Fächern behandelt. Auch gibt es viele Aktionen mit Experten, z.B. Trommelworkshops und Masken bauen etc.
Ein weiterer Punkt, der sehr auffällig ist, ist der Umgang mit Neuen Medien. Jedes Klassenzimmer hat ein Smartboard und zusätzlich zu Computern mit Lernsoftware im Klassenzimmer besitzt die Schule über 50 Laptops, an denen die Kinder sehr oft arbeiten. Schon am ersten Tag haben wir die Vorzüge der Laptops als auch des Smartboards kennen gelernt und sind uns einig, dass wir ohne dies eigentlich gar nicht mehr unterrichten wollen.
Für mich überraschend war auch der souveräne Umgang der Kinder mit Computern und ihrer Selbstständigkeit bei Recherchen im Netz.
Generell hatte ich in dieser ersten Woche den Eindruck, dass die Kinder, für Grundschüler, trotz starker Lenkung, äußerst selbstständig und selbstorganisiert sind.
Die Kinder der Klasse 5/6, bei denen ich die meiste Zeit verbringe, haben mich gleich sehr herzlich und aufgeschlossen aufgenommen. Auch der Deutschunterricht ist sowohl für mich als auch die Kinder ein großer Spaß. Mit unglaublicher Motivation und Begeisterung singen sie deutsche Liedchen und freuen sich jeden Tag darauf ein paar neue Sätze zu lernen. Auch was sich außer der Sprache sonst noch alles um Deutschland dreht, Traditionen, Bräuche, etc., saugen sie wissbegierig auf und überfluten uns mit fragen. Dass Kinder in Deutschland keine Schuluniform tragen müssen war für fast alle Kinder ein Grund, sich nach Deutschland zu wünschen – doch die Information über die vielen Hausaufgaben und der frühe Schulbeginn um 7.30 Uhr besänftigte sie wieder – na, dann ist England vielleicht doch nicht so schlecht?!
Nach einem langen, aber irgendwie auch kurzweiligen Tag mit viel neuem Input wurden wir um halb vier nach und nach von unseren Bussen wieder eingesammelt und zurück nach Canterbury gefahren. Nach einer kurzen Pause, treffen wir uns nach und nach alle in der hochmodernen Bib um dort, ganz gemütlich mit Laptops auf Sofas und Sesseln, unseren Unterricht für den nächsten Tag vorzubereiten und anschließend noch im Pub um die Ecke die letzten Sonnenstrahlen zu genießen.
Kleines Fazit:
Mein erster Eindruck der Schule war sehr gut. Schon nach einer Woche habe ich eine ganze Liste voller Ideen und Methoden, die ich mit nach Hause nehmen werde. Zudem habe ich auch das Gefühl, dass Englands Schulen in vielen Punkten doch um einiges fortschrittlicher sind als wir es sind. Doch gibt es auch einiges was ich mit Blick auf die englischen Schulen in Deutschland nun umso mehr schätze.
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Canterbury-Austausch
2. Woche: 7.-13. Juni 2010
von Catherine Walzer
Erste Eindrücke vom englischen Schulwesen
Nach einem wunderschönen Wochenende, welches uns traumhaft sonniges und warmes Wetter beschert hatte, so dass wir sogar in der Nordsee baden konnten, waren wir nun sehr gespannt auf unseren ersten Tag an den englischen Schulen. Viel hatten wir vom englischen bzw. britischen Schulsystem gehört, jetzt brannten wir darauf, es endlich hautnah mitzuerleben.
Da meine Schule in Littlebourne an diesem Montag aufgrund eines Pädagogischen Tages geschlossen war, erhielten Angela Lang und ich die Möglichkeit Marie Bernhardt und Katharina Huber für diesen Tag an ihre Schule nach Whitfield zu begleiten. Pünktlich um 7.20 Uhr holte uns der Bus vor unser Haustür am Vernon Place in Canterbury ab und nach einer ca. 30 minütigen Fahrt erreichten wir die Whitfield & Aspen School. Nachdem wir uns an der Rezeption registriert hatten, wurden wir vom Rektor der Schule herzlich begrüßt und über die Besonderheit der Schule aufgeklärt. Die Aspen School ist eine Schule für Kinder mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen. Das Ziel des Gründers der Aspen School war es, seine Schüler in eine normale Grundschule zu integrieren, dieses Ziel wurde im Jahr 2007 erreicht. Die Whitfield School wurde komplett umgebaut, um seinen neuen Schülern die erforderlichen Räumlichkeiten gewährleisten zu können. Die Schüler der Aspen School haben die Möglichkeit den Unterricht der Whitfield School je nach Bedarf zu besuchen.
426 Kinder zwischen vier und 12 Jahren besuchen die Whitfield & Aspen School, betreut und unterrichtet werden diese von unglaublichen 146 Mitarbeitern. Das bedeutet, dass im Schnitt für alle vier Kinder eine Person zur Verfügung steht, eine Zahl die für deutsche Schulen unglaublich erscheint. Bei einem Rundgang durch die Schule wurden wir von der Fülle der vorhandenen Materialien fast erschlagen. Unterrichtsmaterial zu allen möglichen Themen ist dort in großen Mengen vorhanden, eine große Schulbibliothek gehört im Weiteren zur Grundausstattung, Internetzugang in jedem Klassenzimmer ist vom Bildungsministerium vorgeschrieben, ebenso enthält jedes Klassenzimmer ein interaktives White Board, (welches wir mit großem Interesse in der Pause begutachteten). Wir fühlten uns die Zukunftsvision einer Grundschule versetzt – eine Frage nagte natürlich gleich an uns: Wann wir es in Deutschland soweit sein? Werden wir in Deutschland überhaupt je diese schon fast unglaublichen Möglichkeiten an unseren Grundschulen haben? Wie wir wissen, sind viele Hauptschulen schon recht gut mit Computerräumen und Internetzugang ausgestattet, sogar ein interaktives White Board habe ich an der Hauptschule in Seelbach schon entdecken können, doch wann wird es an unseren Grundschulen endlich soweit sein?
Nach der Begrüßung begleitete ich Katharina Huber in ihre Klasse (year 4: 8-9 Jahre). Die Schule beginnt in England generell um 9 Uhr. Nach einer kurzen Begrüßung im Klassenzimmer mussten sich alle Schüler um 9.15 Uhr in der Aula zur assembly einfinden, bei welcher die Schüler zurück aus den Ferien begrüßt wurden. Um 9.30 Uhr begann schließlich der Unterricht mit Literacy (Englisch). In jeder Klasse befinden sich am Vormittag sogenannte teacher assistants, welche den Lehrer bei seiner Arbeit unterstützen, indem sie schwachen Schülern helfen und für Ruhe und Ordnung sorgen. An diesem Morgen waren vier teacher assistants im Einsatz plus Katharina und ich. Ich geriet sogleich ins Träumen – Was würde ich machen wenn ich vier teacher assistants in meiner Klasse in Deutschland hätte?
Die Literacy-Stunde endete mit dem Beginn der großen Pause (15 Minuten) um 10.50 Uhr. Um 11.15 Uhr folgt der zweite Unterrichtsblock Numeracy (Mathematik) bis 12.30 Uhr. Dann folgt eine einstündige Mittagspause, in welcher die Kinder zu Mittag essen. Der Nachmittagsblock dauert von 13.30 bis 15 Uhr und ist in zwei Einheiten unterteilt, an diesem Mittag findet einen Einheit Musik (Blockflötenunterricht) und eine Einheit Sport statt.
Angela Lang und ich sind am Dienstag zum ersten Mal an unserer Grundschule in Littlebourne, der Littlebourne Primary School. Littlebourne liegt ca. 5 km außerhalb von Canterbury, ein kleiner Ort mit schätzungsweise 5000 Einwohnern. 95 Schüler besuchen die (im Vergleich zu Whitfield) kleine Schule, unterrichtet werden diese von 10 Lehrern und 10 teacher assistants. Unsere Mentorin Ms. Hardy heißt uns zu Beginn herzlich willkommen, zeigt uns die Schule und stellt uns den anderen Lehrern vor. An der Littlebourne Primary School wird aufgrund der geringen Schülerzahl weitgehend jahrgangsübergreifend unterrichtet. Ich bin year 1/2 zugeteilt, meine 28 Schüler sind zwischen 5 und 7 Jahre alt. Das kleine Klassenzimmer ist sehr bunt bebildert, zahlreiche Materialien besetzen jeden freien Fleck des Zimmers, drei große Gruppentische stehen in der Mitte des Raums. Ein interaktives White Board ist auf der einen Seite angebracht, ein normales White Board auf der anderen Seite des Klassenzimmers. Derzeit unterrichtet eine teacher trainee (Referendarin) die Klasse, das für mich natürlich doppelt interessant, da ich auf diese Weise, die Lehrerausbildung Deutschland England direkt vergleichen kann.
Stundenplan
Die Unterrichtswoche in England verläuft sehr gleichmäßig, beispielsweise haben die Kinder jeden Tag zur gleichen Zeit Literacy (Englisch) und Numeracy (Mathematik). Die Nachmittage variieren jedoch.
Time |
Monday |
Tuesday |
Wednesday |
Thursday |
Friday |
9.00- 10.30 |
Literacy |
Literacy |
Literacy |
Literacy |
Literacy |
10.30 – 10.45 |
Break |
Break |
Break |
Break |
Break |
10.45 – 12.00 |
Numeracy |
Numeracy |
Numeracy |
Numeracy |
Numeracy |
12.00 – 13.00 |
Lunch break |
Lunch break |
Lunch
break |
Lunch
break |
Lunch break |
13.00 – 15.00 |
R.E. (Religious Education) |
Science |
French
Handwriting |
Art |
P.E. (Physical Education) |
Arbeitsweise
Wie bereits erwähnt, erhalten die Lehrer sehr viel Unterstützung durch die teacher assistants, ohne diese wäre es den Lehrern nicht möglich, die Schüler so frei arbeiten zu lassen. Nach einer Einführung und einer ersten gemeinsamen Übungsphase erfolgt wie bei uns auch die Erbeitungsphase(n). Der Arbeitsauftrag wird oft nur kurz angesprochen, da man ja genügend Leute im Klassenzimmer hat, welche es den Schülern erklären können. Dadurch spart man viel Zeit, endlose Erklärungen und Beispiele, welche bei der Bearbeitung helfen sollen, entfallen hier. Die Schüler beherrschen eine geübte Routine, schnell haben sie ihr Mini-White Boards und ihr Heft in der Hand, sitzen an einem selbstgewählten Platz (keine feste Sitzordnung) und beginnen mit ihrer Arbeit. Der Lehrer und die teacher assistants (morgens zwei, nachmittags eine) verteilen sich an die Gruppentische und erarbeiten mit den Kindern in den Tischgruppen den jeweiligen Arbeitsauftrag. Wenn die Kinder den Arbeitsauftrag fertig gestellt haben, können sie frei wählen, was sie machen wollen, bzw. Lernspiele oder etwas Malen, Schreiben, Lesen. Insgesamt geht es im Klassenzimmer sehr laut zu, die Kinder werden jedoch (im Gegensatz zu Deutschland) nur selten ermahnt sich ruhiger zu verhalten. Es scheint, als wolle man den Kindern diese Freiheit ermöglichen und so lange sie ihre Arbeit machen, spielt die Lautstärke keine Rolle.
Erste Unterrichtsversuche
In der ersten Woche durfte ich am Mittwoch und Donnerstag jeweils eine Stunde Deutsch am Nachmittag unterrichten. Die Schüler sind sehr motiviert, wollen alles Mögliche über Deutschland und über die Sprache wissen. In der ersten Stunde lehrte ich den Kindern sich auf Deutsch zu begrüßen und ihren Namen zu sagen. In der zweiten Stunde am Freitag übten wir das Zählen von 1-10. Ich habe großes Glück, dass mir die Möglichkeit gegeben wird, Deutsch unterrichten zu können, ich freue mich schon auf viele weitere Stunden in den nächsten zwei Wochen.
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Canterbury: Week 3 (14.06 – 19.06.2010)
Von Katharina Huber
Wie Catherine Walzer schon zuvor berichtet hat bin ich mit Marie Bernhardt der „Whitfield & Aspen Primary School“ in Whitfield, ganz in der Nähe zu Dover, zugeteilt worden. Ich habe eine vierte Klasse (26 Schüler), in der die Kinder zwischen 8 und 9 Jahre alt sind (entspricht unsrer 3. Klasse). Außerdem werde ich von zwei Mentorinnen betreut. Meine Klasse hat insgesamt zwei Klassenlehrer, da diese nur eine halbe Stelle an der Schule haben. Eine Lehrerin unterrichtet die Klasse Montag und Dienstag und die andere Lehrerin von Mittwoch bis Donnerstag. Zuerst habe ich mich über diese Regelung sehr gewundert, aber die Kommunikation der beiden funktioniert super und scheint auch bei den Kindern kein Problem darzustellen.
Hier in England müssen die Grundschullehrer im Gegensatz zu uns auch ALLE Fächer unterrichten (auch Religion beispielsweise). Außerdem stehen der Klasse auch noch je nach Fach 2-3 Teaching Assistants zur Verfügung, so dass zum Teil 3-5 Erwachsene im Klassenzimmer sind!
Die Schule beginnt hier um 8.50Uhr und endet um 15.10Uhr. An ca. 3 Tagen findet vormittags noch eine „school assembly“ statt, in der meist alle Schüler sich in dem großen Saal der Schule versammeln. Dort wird Organisatorisches besprochen oder es finden auch Aufführungen anderer Klassen statt.
Zwischen 10.50 und 11.05Uhr haben die Schüler eine Pause („play-time“), was unserer großen Pause ähnelt und um 12.15Uhr eine einstündige Mittagspause.
In der ersten Woche durfte ich schon Deutsch sowie einige kleine Einheiten des Englischunterrichts übernehmen, so auch das „guided reading“. Insgesamt gibt es hierbei fünf Gruppen unterschiedlicher Stärke. Jede Gruppe wird einem Wochentag zugeteilt, an welchem die Lehrerin mit ihnen ein bestimmtes Buch liest und dieses auch bespricht. Diese Sitzungen werden auch in einem Heft von der Lehrerin (oder auch eines Teaching Assistants) bei jedem einzelnen Schüler notiert, wie beispielsweise gelesen und mitgearbeitet wurde.
Weiterhin gibt es jeden Montagmorgen ca. 10-15 Minuten „Schönschreiben“, wobei ich hier noch erwähnen möchte, dass dies eine der wenigen Momente der Woche ist, an denen die Kinder wirklich etwas in ein Heft schreiben. Womöglich auch durch die Modernisierung des Interactive Whiteboards (IWB) werden leider kaum mehr Text, Aufgaben oder Ähnliches in ein Heft geschrieben. In den meisten Fächern benutzen die Kinder im Unterricht nur noch ein kleines Whiteboard mit wegwischbaren Stiften, um kleine Aufgaben zu lösen. Dies ist meiner Meinung nach schon ein sehr großer Unterschied im Vergleich zu Deutschland und verringert leider auch zunehmend das Schriftbild der Kinder.
Die Funktionen des IWB sind riesig und so etwas in deutschen Klassenzimmern zu besitzen wird wahrscheinlich leider noch eine Weile dauern. Jedoch arbeite ich sehr gerne und oft während meines jetzigen Unterrichts damit und werde es auf jeden Fall vermissen, wenn ich wieder in Deutschland bin.
Des Weiteren unterrichtete ich gegen Ende der ersten Woche eine Stunde „Literacy“ (also den Englischunterricht selbst). Bei der Besprechung meiner beiden Mentorinnen für die zweite Woche durfte ich schließlich die ganze Einheit des „Literacy-Unterrichts“ für die nächsten beiden Wochen übernehmen.
Das Thema ist das Erstellen eines Produktes, das für die diesjährige Weltmeisterschaft werben soll. Die Kinder haben in den ersten Unterrichtsstunden ihr Vorwissen über Werbung allgemein aktivieren dürfen. Es wurden verschiedenartige Werbungen vorgeführt und auch ein Plakat für ein vorgegebenes Produkt entworfen.
Am Mittwoch wurde die Klasse in insgesamt 7 verschieden Gruppen eingeteilt, in welcher sie nun für die nächsten 1 ½ Wochen arbeiten werden.
Zunächst sollten die Schüler in Gruppen Ideen sammeln und diskutieren welches Produkt sie denn interessieren würde und welches sie entwickeln möchten.
Weiterhin sollten sie sich im Rückblick auf die vorherigen Stunden zum Thema Werbung Gedanken über die verschieden Funktionen machen, die ein Werbespot braucht, um bei Kunden anzukommen. In dieser Woche soll nun an dem Produkt selbst weitergearbeitet werden und in der kommenden Woche werden die Kinder ihr Produkt in Form eines Werbespots drehen. Die Schüler sind schon sehr aufgeregt und arbeiten sehr fleißig an ihren Produkten. Viele Kinder haben auch abends noch zu Hause daran weitergearbeitet und man merkt, dass es ihnen sehr viel Freude bereitet.Ich bin schon sehr gespannt auf nächste Woche, wenn jede Gruppe schließlich ihren Film/ Werbespot dreht!
Außer Literacy unterrichte ich noch Deutsch und Musik und durfte auch schon einen „starter“ in Mathe übernehmen (Spiel zu Beginn der Mathestunde).
Es macht mir sehr viel Spaß in meiner Klasse zu unterrichten und die Kinder sind mir schon richtig ans Herz gewachsen. Der Abschied nächste Woche wird mir sicherlich schwer fallen.
Teaching Numeracy at Whitfield, an English primary school
Von Marie Bernhardt
Vor ein paar Wochen noch hatte ich keine Ahnung, was mich in einer englischen Schule erwarten würde. Wie viele Stunden würde ich unterrichten? Sicher nur ein paar Einheiten in Deutsch oder Musik. In den ersten paar Tagen schien sich das auch zu bestätigen, doch war mir bald klar, dass es nicht so weiter gehen konnte. Alles begann mit einer normalen Mathestunde. Thema: Die Unterscheidung verschiedener mathematischer Formen mit Hilfe eines Venn-Diagramms.
Ich sollte noch hinzufügen, dass ich ausschließlich in einer vierten Klasse unterrichte. Die Kinder hier sind 8-9 Jahre alt, was also bei uns eher einer dritten Klasse entsprechen würde.
In dieser Mathestunde war es die Aufgabe der Kinder, die verschiedenen mathematischen Formen wie Quadrat, Rechteck, Dreieck, Drachen, Rhombus usw. in einem Venn-Diagramm zu ordnen. Die Lehrerin der Klasse schien an diesem Tag etwas durcheinander, weswegen ich ihr beim Ordnen etwas unter die Arme griff. Nach der Stunde fragte sie mich, ob ich nicht Lust hätte, die nächste Mathestunde morgen zu übernehmen. Nach einem kurzen Zögern willigte ich schließlich ein... Was konnte mir schon passieren? Ich hoffte, die Kinder würden mich verstehen und ich müsste nicht zu sehr nach Worten suchen, um ihnen die Sachen, die notwendig waren, zu erklären.
Die Lehrerin gab mir den Numeracy-Plan für diese Woche und ich versuchte daraus eine Stunde aufzubauen. An meiner Schule haben die Kinder jeden Tag eine volle Zeitstunde Mathe. Der Plan für die ganze Woche steht schon mindestens eine Woche vorher. Normalerweise wird er vom vorigen Schuljahr übernommen, bzw. an aktuelle Ereignisse (wie zum Beispiel die Fußball-WM) angepasst.
Eine Mathestunde beginnt üblicherweise mit einem „starter“. Die Kinder werden spielerisch auf den folgenden Unterricht eingestimmt. Dafür werden meist die ersten 15 Minuten genutzt und dieses Ritual ist definitiv etwas, was ich in Deutschland, wenigstens manchmal, übernehmen möchte.
Die Klasse ist unterteilt in verschiedene Leistungsstufen. Die Lehrerin hat, wie ich finde, einen sehr netten Weg gefunden, die Kinder einzuteilen: Es gibt Achtecke und Siebenecke (höhere Leistungsfähigkeit), Rechtecke und Quadrate (mittlere Leistungsfähigkeit) und Dreiecke (weniger leistungsfähig). Besonders die Dreiecke bekommen Einzelbetreuung während der gesamten Stunde durch mehrere Lehrer-Assistenten. So kommt es, dass in vielen Mathestunden nicht nur ein Lehrer die Klasse unterrichtet, sondern bis zu fünf weitere im Klassenzimmer verteilt sitzen. Allgemein wird an englischen Schulen schon seit Langem viel Wert auf Differenzierung gelegt. Die meisten Materialien sind schon in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen vorhanden.
Zu guter letzt noch ein paar Worte über das IWB (Interactive Whiteboard). Mir hat es unglaublich viel Spaß bereitet Aufgaben, Tabellen, Schemen, Spiele und all die anderen Dinge am IWB vorzubereiten. Die Kinder scheint die hochmoderne Technik nicht mehr so zu beeindrucken, dafür haben mich all die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten immer wieder fasziniert.
In meiner zweiten Woche habe ich also alle Mathestunden übernommen. Die größte Schwierigkeit stellte für mich die Verständigung dar. Das Englisch von Grundschulkindern ist leider sehr viel schwieriger zu verstehen, als das eines Erwachsenen; und so war ich oft gezwungen die Beiträge der Kinder mit „Yeah“ oder „You’re right, good boy!“ zu beantworten, obwohl ich kein Wort verstanden habe
Unsere letzte Woche bricht nun an und ich werde an zwei Tagen fast den gesamten Unterricht in meiner Klasse übernehmen: Mathe, Englisch und Deutsch/Musik. Es gibt also immer noch einige Hürden zu überwinden und bin gespannt, wie viele ich davon umrennen werde...
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Die letzte Woche
(von Tanja Trojahn)
Die letzte Woche brach an und wir alle konnten es kaum glauben: Waren wirklich schon drei Wochen vergangen? Die letzte Woche war vor allem vom Abschied nehmen geprägt- von der Schule, den Schülern und unseren Mitbewohnern.
Zum Abschluss hatten einige der Schulen sich eine „German Party“ gewünscht. Mittwochs wurden nach der Schule eifrig die letzten Vorbereitungen für diese getroffen: Kuchen wurde verziert, Spielutensilien angefertigt sowie Schultüten gebastelt und gefüllt. Pünktlich zum Deutschlandspiel waren wir fertig und konnten uns zu den Freudenstädtern und der französischen Gruppe gesellen die bereits im Pub auf den Beginn des Fußballspiels warteten.
Am Donnerstag fand dann unsere German Party statt. Den Kindern wurde ein breites Unterhaltungsspektrum geboten. Für das leibliche Wohl war mit Vollkornbroten mit Käse und Salami sowie mit einem Kuchen mit Deutschlandflagge gesorgt. Dazu hatten wir einige bekannte Kinderlieder ausgewählt die auch bei uns durchaus Erinnerungen aus Kindertagen aufkommen ließen. Da das Wetter mitspielte und uns strahlenden Sonnenschein bescherte konnten einige der Spiele draußen gespielt werden. Zum Abschluss überreichten wir den Kindern unsere selbstgemachten Mini-Schultüten, welche mit Begeisterung entgegengenommen wurden. Die Kinder (und auch wir!) hatten großen Spaß an dieser Partyeinlage und ich würde sie definitiv als eines meiner Highlights bezeichnen.
Danach folgte das große Abschiednehmen von der Schule. Die Mentoren hatten mit den Kindern zusammen kleine Aufmerksamkeiten vorbereitet die uns überreicht wurden. Der Abschied fiel uns schwerer als gedacht. Unglaublich, wie schnell man Kinder ins Herz schließen kann!
Ab Freitag begann dann das Abschiednehmen von der Gruppe. Nachdem wir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Schulsysteme in der Uni diskutiert hatten, brachen die ersten von unserer Gruppe auf. Cathy, Katharina und Marie verließen uns schon am Freitagabend, der Rest der Gruppe sollte erst Freitagnacht oder am Samstag abreisen. Glücklicherweise fiel das WM-Spiel Deutschland-England auf den Sonntag und wir konnten es im eigenen Lande genießen => Das Spiel in England anzusehen hätte der deutsch-englischen Freundschaft sicher nicht sehr gut getan .
Als Fazit kann ich sagen: Es war eine sehr schöne, spannende Zeit die ich nicht missen möchte. Von A wie „Ausflug“ und „Augustin house“ über F wie „fish & chips“, „Freudenstädter“ und „Franzosen“ bis hin zu Z wie „Zusammenarbeit“ war alles dabei. Ich denke ich spreche im Namen aller wenn ich sage: We’ll miss Canterbury!
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